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Digitale Arbeitswelt – Chancen nutzen

 Innovationstag IHK-NRW

  • Welche Rolle wird der Mensch in den Fabriken der Zukunft spielen?
  • In welcher Form wird die Digitalisierung die Arbeitswelt verändern?
  • Ist Industrie 4.0 ein Risiko oder eine große Chance für die Beschäftigten?

Diesen Fragen gingen die Referenten des Innovationstags 2016 auf den Grund.

Rainer Schmeltzer, Minister für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, vertritt eine optimistische Einschätzung und betonte in seinem Grußwort: „Wir in NRW wollen die Digitalisierung mitgestalten.“ IT-Sicherheit und Datenschutz seien dabei zentral. „Kein Unternehmen möchte seine Produktdaten preisgeben und kein Mitarbeiter unangemessen kontrolliert werden.“ Entscheidend für einen erfolgreichen digitalen Wandel seien gut ausgebildete Fachkräfte auf allen Ebenen der Produktion, sagte Schmeltzer und appellierte an die Unternehmer: „Nehmen Sie ihre Beschäftigten mit, beteiligen Sie ihre Betriebs- und Personalräte und nutzen Sie die Erfahrung und das Wissen ihrer Mitarbeiter – dann bieten sich vielversprechende Möglichkeiten.“

Während der Veranstaltung wurden Thesen wie „In der Smart Factory wird der Mensch eine entscheidende Rolle spielen“ und „Industrie 4.0 wird den Menschen nicht aus den Werkhallen verbannen, sondern ihn anders fordern. Daher seien lebenslanges Lernen und die ständige Modernisierung der Berufsbilder wichtiger denn je.“ von IHK, Politik, Gewerkschaften und Unternehmern diskutiert.

Einen wissenschaftlichen Blick auf das Thema warf Dr. Peter Ittermann von der Technischen Universität Dortmund. In seinem Impulsvortrag beleuchtete er zunächst den Status Quo: Wir befinden uns in der zweiten Phase der wirtschaftlichen Digitalisierung, wir erleben das Internet der Dinge und Dienste in den Bereichen Wohnen, Medizin, Verkehr, Industrie. Industrie-4.0-Technologien wie „smarte“ Produktionssysteme, neue Robotikkonzepte, Assistenzsysteme und Social-Media-Funktionalitäten könnten dazu beitragen, die internationale Spitzenposition der deutschen Industrie noch auszubauen und ganze Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsketten zu revolutionieren.
Über die Konsequenzen dieser Prozesse für die Arbeitswelt werde in der Forschung kontrovers debattiert: Es gibt eine pessimistische und eine optimistische Sicht auf die Entwicklung. Die Skeptiker befürchten weitreichende Jobverluste, die Abwertung von Qualifikationen und die Erosion mittlerer Tätigkeiten. Die Optimisten dagegen gehen davon aus, dass die Digitalisierung neue Arbeitsplätze schafft, das Wachstum antreibt, Arbeit aufwertet und den Beschäftigten mehr Autonomie und Selbstorganisation ermöglicht.
Man könne derzeit nicht eindeutig sagen, welche Folgen die Digitalisierung für die Arbeitswelt haben wird. Der Erhalt hochwertiger Beschäftigung in der Industrie ist durchaus möglich – aber kein Selbstläufer. Es werde nicht um die Frage „Mensch oder Technik?“ gehen, sondern darum, wie das Zusammenwirken von Mensch, Technik und Organisation an den Schnittstellen gestaltet werde.

Weitere Vorträge, Praxisbeispiele und Referenten

  • Die digitale Arbeitswelt gestalten
    Karl-Heinz Hageni, IG Metall-Vorstand, Frankfurt/Main
  • Industrieroboter kollaborativ in manuelle Prozesse integrieren
    Dipl.-Ing. Dirk Wettlaufer, Werksleitung,Albrecht Jung GmbH & Co. KG, Lünen
  • Führung im x.0-Wandel – Herausforderungen im industriellen Mittelstand
    Ulrike Lüneburg, Director Human Resources Germany, Siegwerk Druckfarben AG & Co. KGaA, Siegburg
  • Arbeit 4.0 – Inspiration durch einenweltweit führenden Anbieter von digitalen Imaging-Lösungen
    Dirk Meier, Finance Director, Canon Deutschland GmbH, Krefeld
  • Arbeit 4.0: Wo bleibt der Mensch in einer Welt umwälzender Technologien?
    Dr. Nikos Askitas, Director Data and Technology,IZA – Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit GmbH, Bonn

Einschätzung des DIHKs

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt. Ein Teil der Beschäftigten kann zunehmend von überall und zu jeder Zeit arbeiten. Technologien übernehmen Routinetätigkeiten, und es entstehen neue Geschäftsmodelle. Um diese Chancen der Digitalisierung nutzen zu können, stellt sich die Frage nach neuen Rahmenbedingungen. Die Bundesregierung diskutiert dies u. a. im Dialogprozess „Arbeiten 4.0“.
Der Einsatz moderner Digitaltechnologien ermöglicht bei manchen Tätigkeiten orts- und
zeitflexibles Arbeiten. Dies schafft neue Möglichkeiten, Familie und Beruf besser vereinbaren zu können. Gleichzeitig bieten sich dadurch Chancen für Unternehmen, sich als attraktive Arbeitgeber aufzustellen. Beides dient der Fachkräftesicherung. Starre arbeitszeitrechtliche Regelungen können diesen Flexibilitätspotenzialen dabei im Wege stehen, z. B. mit Blick auf tägliche Höchstarbeits- oder Ruhezeiten. Die Umstellung von einer gesetzlichen Tages- auf eine Wochenhöchstarbeitszeit wäre daher aus Sicht des DIHK sinnvoll.

Die Digitalisierung wird die Beschäftigungsstrukturen verändern. Befürchtungen, dass dadurch unter dem Strich automatisch massiv Jobs verloren gehen, sind aber unbegründet. Im Zuge des technischen Fortschritts fallen zwar manche Tätigkeiten weg, während an anderer Stelle aber entstehen neue. Routinetätigkeiten geraten künftig weiter unter Druck, und Wissen veraltet schneller. Problemlösungs-, Kommunikations- und Digitalkompetenzen gewinnen hingegen an Bedeutung.
Mehr als jedes zweite Unternehmen rechnet mit steigenden Qualifikationsanforderungen als Folge der Digitalisierung. Hier gilt es für Bildung, Berufsausbildung und Weiterbildung, die Weichen entsprechend früh zu stellen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass Fachkräfteengpässe bei IT- und technischen Qualifikationen wichtige Wachstumsimpulse und Zukunftschancen verringern.

3 Gedanken zu “Digitale Arbeitswelt – Chancen nutzen

  1. Pingback: 5 Fragen an... - Blog Wirtschaft 4.0

  2. Sehr interessanter Artikel. Hoffe Sie veröffentlichen in regelmäßigen Abständen solche Artikel dann haben Sie eine Stammleserin gewonnen.Vielen Dank für die tollen Informationen.

    Gruß Anna

    • Vielen Dank für Ihr Lob. Wir versuchen die Artikel natürlich interessant zu halten und freuen uns, wenn wir mit Ihnen eine Stammleserin gewinnen.

      Gruß Benita

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